- Michael Beck wollte im Jahr 1881 mit seiner großen Familie nach Amerika auswandern. Doch er hatte kein Geld. Das Bürgermeisteramt erbat beim Bezirksamt die Genehmigung für eine Geldsammlung: " Der Überbringer soll mit Unterstützung der Gemeinde nach Amerika auswandern. Er ist aber völlig mittellos und besitzt weder für sich noch seine Frau und die 7 Kinder Kleider oder (Viktualien, Lebensmittel). Es wird das gehorsamste Ersuchen gestellt, gestatten zu wollen, daß für denselben eine Sammlung in hiesiger Gemeinde vorgenommen wird".
Das Vorhaben wurde von der Behörde jedoch abgelehnt, weil die "Erwirkung der Auswanderung für diese Familie bei deren geschilderten Verhältnisse eine Auslieferung ins sichere Elend bedeuten würde".
Darauf hin hatte der Gemeinderat beschlossen, die Schiffspassage für die ganze Familie aus der Gemeindekasse zu bezahlen. der Einnehmer wurde angewiesen, an den Auswanderungsagenten Bernhard Behr " für die Überführung der Familie B. von Ludwigshafen nach New York, 9 Köpfe zählend, den bedungenen Betrag von 446 Mark auszuhändigen". (GRech. 1882 Bl 416).
Doch als die Familie in Amsterdam ankam, war sie wieder ohne einen Pfennig.
Laut Zuschriften des Generalagenten Julius Goldschmit aus Ludwigshafen vom 9ten Juni kam der aus Gemeindemitteln nach Amerika spedirte Michael Beck "entblöst von allem Gelde" in Amsterdam an trotz dem er in Ludwigshafen genügende Mittel besaß, um ohne Anstand seine Auslagen bis zur Einschiffung bestreiten zu können. Ob derselbe nur Armut fingirte oder ob er unterwegs sein Reisegeld verlumpte ist nicht festzustellen. In Amsterdam lag die Gefahr nahe, daß Beck polizeilich zurück geschickt würde, wenn nicht jemand die Auslagen für Kost und Logis für diese Familie bestreiten würde. Um der Gemeinde diese Calamität zu ersparen trug sich der Director der Amsterdam Dampfschiffahrtslinie, welche Beck und Consoreten beförderte, für deren Zehrungkosten stark, zahlte dieselben in Betrag von 30M 60 und ließ sie durch Goldschmit von der hiesigen Gemeinde anfordern. Die Gemeindekasse mußte nochmals 30 Mark nachsenden, damit die Kosten für Kost und Logie bis zur Einschiffung beglichen werden konnten (GE 9.6.1881).
Quelle: Ortschronik von Ernst Marthaler (S. 660/661)
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