| Notizen |
- Emanuel war ein ruhiger und selbstsicherer Mensch, doch ebenso war er mitteilsam und überzeugend. Wie kein anderer konnte er Besonderheiten oder selbst erlebte Geschichten erzählen. Nachdem er Leimersheim verlassen hatte um sich in Landau niederzulassen, besuchte er hie und da das Kaffeehaus des Hotel Körber nebenan. In diesem Kaffeehaus versammelten sich die Ortsautoritäten um den Stammtisch. Durch den Kellner ließen sie Emanuel an den Tisch bitten. An diesem tisch erzählte er folgende Geschichte: Während des ersten Weltkrieges, beim Rußland-Aufenthalt litten er und seine Kameraden unter großem Hunger. Der Oberst ließ den Pfälzer mit dem langen Bart (Emanuel) zu sich rufen und befahl ihm, mit 5 Männern in den Wald zu gehen und Pilze, Beeren, wilde Früchte, kurzum alles Essbare einzusammeln. Nachdem sie alles eingesammelt hatten, was möglich war, kehrten sie ins Lager zurück. Plötzlich standen sie einem Schwein gegenüber, aber nicht irgend ein Schwein, sondern einem dicken, schön rosaroten Tier mit zwei enormen "Schinken" und wie bei allen Schweinen einen Schwanz wie ein Korkenzieher. Die kleine Truppe war selber überrascht, wo kam diese Sau wohl her, wo war sie weggelaufen? Emanuel überlegte nicht lange, lud sein Gewehr, zielte zwischen die Augen, erledigte das Tier und leerte noch auf der Stelle die Eingeweide, brachte es ins Lager, wo es zerlegt wurde. Die Nachricht über diese wunderbare Beute verbreitete sich sehr schnell und kam auch dem Oberst zu Ohren. Er schaute sich die Überreste des Schweins an, das die tapferen Soldaten des Kaisers ernähren sollte. Nachdem er sich nach der Herkunft des "Verblichenen" erkundigt hatte beauftragte er Emanuel, die Koteletten für die Offiziere zu braten, die anderen Stücke für die Unteroffiziere und Truppenangehörigen. Emanuel befolgte dies nicht - er bediente seine 5 Männer mit den Koteletten. Der Oberst fragte er ihn, wo die Koteletten hingekommen seien und Emanuel erwiderte ihm, dass sie ausgezeichnet geschmeckt hätten und der Oberst lachte sehr darüber.
Aber nicht alles verlief so gut während der Nazizeit nach 1933. Emanuel mit seiner freien Redensart hatte einmal eine Diskussion mit einem Matrosen auf dem Schiff, ohne Rücksicht auf seine Ansichten zum Naziregime und erklärte offen, was er davon dachte. Einer der Matrosen aus Leimersheim verriet ihn an die Gestapo. er wurde zitiert und musste Rede und Antwort stehen. Seine Rettung verdankte er nur seiner überzeugenden Schlagfertigkeit, seiner Ruhe und vor allem seiner Sicherheit. Er war sehr beliebt in Landau, weil er während des letzten Krieges vielen Einwohnern geholfen hatte.
Quelle: Weschler-Familienbuch. Autor: Weschler André Raymond (1996)
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