| Notizen |
- Johann schloss sein Medizinstudium in München ab und erhielt ein Diplom mit Auszeichnung.
Nach seiner Rückkehr nach Nikolajew musste er zum Militär und wurde bald an die Front nach Galizien geschickt. Er musste den Verwundeten Erste Hilfe leisten. Das Klima dort war feucht und es regnete viel. Seine Armeekleidung war durchnässt, seine Stiefel ließen Wasser eindringen und Ungeziefer plagte ihn. Großvater Alexander schickte seinem Sohn Stiefel mit wasserdichten Sohlen und seidene Unterwäsche (gegen das Ungeziefer). Als die Verwundeten von der Front ins Krankenhaus gebracht wurden, baten sie: „Gebt uns den Arzt in der Uniform. Er soll unsere Wunden verbinden!“ Der Oberarzt war ein Trinker. Einmal wurde ein verwundeter Soldat mit einer Kugel im Hals eingeliefert und musste sofort operiert werden. Der Oberarzt war wieder betrunken und wollte operieren, ohne sich die Hände zu waschen. Johann sah das, führte ihn weg und begann die Operation selbst. Er entfernte die Kugel. Da die Kleidung des Verwundeten durchnässt war, holte Johann die seidene Unterwäsche aus seinem Koffer und zog sie dem Verwundeten an. Der Soldat erholte sich, erhielt Urlaub und ging nach Hause in die Nähe von Nikolajew. Johann gab ihm einen Brief an seine Eltern. Der Soldat überbrachte ihn und erzählte, wie sehr ihr Sohn bei den Verwundeten beliebt war. „Er hat mir die Kugel aus der Kehle gezogen, mir das Leben gerettet und mir seine letzte Unterwäsche angezogen! Dafür danke ich dir. Es gibt nur wenige solche Menschen!“ Johann verhielt sich wie sein Vater, der immer sagte: „Wo Not ist, muss geholfen werden.“
Quelle: The Family of Alexander Schardt, Helene Dauenhauer
- Mit Ausbruch des zweiten Weltkrieges wurde auch Dr.Johann Schardt Opfer der Willkür. als am 22.Juni 1941 im Radio die Nachricht vom deutschen Angriff auf die Sowjetunion kam, ahnte Dr.Johannes Schardt etwas Schlimmes. Nervös ging er im Zimmer auf und ab. Abends ging er zur Nachtschicht ins Kinderkrankenhaus und wurde frühmorgens dort vom NKWD (Geheimpolizei) verhaftet. Er wurde in seine Wohnung in der Nabereschnaja-Straße 3 gebracht und durchsucht. Es wurde nichts gefunden. Johannes wurde weggebracht und kam nie wieder zurück. Bei der Nachfrage seiner Verwandten erhielten sie nur die Antwort "Er starb in Omsk an Tuberkulose". In Nikolajew kursierten verschiedene Gerüchte. angeblich sei er mit einem Hakenkreuz auf der Stirn gebrandmarkt und dann erschossen worden.
Ein Freund der Familie kam zufällig am NKWD-Gebäude vorbei. In der Straße war ein Loch gegraben worden. Frauen, die um das Loch herumstanden, weinten und sagte: "Hier in diesem Loch ist Dr.Schardt erschossen worden.
Quelle: The Family of Alexander Schardt, Helene Dauenhauer
Dr. Johann Schardt wurde am 23.06.1941 verhaftet und am 28.12.1941 erschossen.
Quelle: Trauerbuch Odessa-2. Ausgabe, Seite 24 von 32
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