| Notizen |
- Brief an seinen Onkel (Originaltext)
Leimersheim, den 5.Februar 1888
Lieber Onkel und Tante
Ich ergreife die Feder um Euch zum erstenmale zu schreiben. Bis März werde ich 15 Jahre alt und gehe schon 2 Jahre in die Korbfabrik.
Vor zwei Jahren bin ich zur ersten heiligen Kommunion gegangen und da hab ich zur Belohnung für das Predigt-Scheiben ein schönes Buch bekommen von Goffine. Ich hätte Euch gerne einige Körbchen geschickt, aber der Porto kostet 4.- Mark. Ich will mein Schreiben schliessen und Euch alle herzlich grüssen.
Karl Adam Lösch
- Brief an Onkel und Tante (Originaltext)
Leimersheim, den 7. Dezember 1890
Lieber Onkel und Tante!
Euren Brief haben wir am 22. November und Euer Porträt am 2.Dezember erhalten, was uns sehr erfreute. Vater und Mutter staunten, wie sehr ihr Euch verändert habt und man Euch kaum im geringsten erkennt. Als wir den Brief erhalten hatte, ging der Joseph täglich dem Postboten entgegen, ob er nichts hatte für uns, den die Zeit bis das Porträt kam, konnte er kaum erwarten. Die Porträts haben wir bereits abgegeben, die Bas Barbara wird ihren Dank dafür aussprechen, dass sie Euch mit nächstem selber schreibt.
Sie hat 6 Kinder, eben das älteste ist bei ihrer und Eurer Schwester in Amerika. Der älteste Sohn ist beim Militär, 1 Mädchen dient und die anderen machen Cigarren. Das jüngste ist ein Knabe von 13 Jahren.
Lieber Onkel, die Mutter trug das Porträt nach Hördt zu Eurer Schwester. Beim Anblick des Bildes fing sie vor Freude an zu weinen. Sie sagte Ihr sollt ihr ein paar Zeilen schreiben, dann schickt sie Euch ihr Familienbild auch.
Lieber Onkel und Tante, bei uns sind jetzt fast alle im Geschäft eingestellt, da es schneit und gefriert ja täglich, der Vater wird wahrscheinlich dies letzte Woche nicht nach Karlsruhe gehen, den es ist dort auch eingestellt für diesen Winter. Auch mit dem Geschäft (Korbflechterei) steht es sehr schlecht. Den bei uns ist das Korbmachen sehr weit heruntergekommen, hier hat es an die 70 Korbmacher und in der Umgebung sind viele Korbfabriken und das Korbflechten kommt täglich namentlich im Winter herunter, so dass es sich bald kaum lohnt.
Ich weiß jetzt nichts mehr zu schreiben, darum schließe ich meinen Brief mit der Hoffnung, dass Euch der Brief so gesund antrifft wie er uns verlässt. Ich grüße bestens Euch und Eure Kinder. Besten Gruß von Eltern und Geschwister.
Lieber Onkel und Tante, Ihr habt geschrieben, es wäre besser für und in Amerika. Wir hätte auch Lust hineinzugehen, die Mutter und Geschwister auch, aber Vater sagt, die längste Zeit hat er gelebt, denn er war diese Woche 50 Jahre alt, nun will er jetzt nicht mehr nach Amerika. Wir werden kaum mehr zusammen kommen, aber es könnte doch einmal vorkommen, denn es geschieht oft manches was man früher nicht dachte, deshalb wollen wir vorerst und mit der jetzigen Vereinigung beknügen, den wen wir die Porträts aufhängen, so sehen wir jeden Tag einander. Wir wünschen Euch allen fröhliche Weihnachten und ein glückseliges Neues Jahr.
Karl Ad. Lösch
Hoffentlich wartet ihr mit dem Schreiben nicht so lange wie am letzten Malle.
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